Paul Reitbauer
Paul Reitbauer
Paul Reitbauer verfügt über langjährige internationale Führungserfahrung im Tourismus, der Hotellerie und Gastronomie sowie als Interims- und Krisenmanager.
Der Sommer nach der Coronakrise. R&E Consulting - Reitbauer & Epxerts Tourismusberatung (c) Mike Andrei von Pexels

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„Der Tag danach“ – Restrukturierungen nach Corona

Die Coronakrise hat vor allem den Tourismus, die Hotellerie und die Gastronomie schwer getroffen. Als Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Hotellerie, Gastronomie und Tourismus hat dieses Thema auch mich in den letzten Wochen beschäftigt. Ich habe mit vielen Kunden, Kollegen und Partnern darüber gesprochen. In diesem Beitrag habe ich für Sie die häufigsten Fragen zusammengefasst und meine Antworten darauf.

Kaum ein anderer Wirtschaftszweig wurde von der Corona-Krise so hart getroffen wie die Leitbranche Tourismus. Was sind die größten Sorgen meiner Kunden?

Große Unsicherheiten und wirtschaftliche Überlebensfragen prägen den Alltag. Sorgen wie: Rechnet sich eine Wiedereröffnung mit den neuen Rahmenbedingungen? Entstehen durch die Auflagen höhere Kosten? Wann kann wieder mit Gästen aus dem Ausland gerechnet werden? Wie wird sich das Reiseverhalten auswirken? Wird der Betrieb durch das Gesundheitsamt im Falle eines positiven Tests vielleicht wieder komplett geschlossen? Was passiert dann mit den laufenden Kosten? Gehen wertvolle MitarbeiterInnen verloren, wenn sie nicht alle sofort wiedereingestellt werden können?

Viele Betriebe haben massiv investiert, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sind die finanziellen Hilfen ausreichend, um eine Überschuldung zu vermeiden? Wie lange wird es dauern, bis wieder ähnliche Umsätze wie in der jüngeren Vergangenheit erwirtschaftet werden können?

Schaffen wir unsere Liquiditätssicherung? Viele haben noch volle Buchungen, jedoch wissen sie nicht ob die Gäste nach Österreich einreisen dürfen, da die Grenzen gesperrt sind. Große Unsicherheit in Bezug auf die Belegung in den saisonalen 4-Sterne Bereich aufwärts. Die meisten Gäste stammen aus dem benachbarten Ausland. 68% unserer Gäste kommen aus dem Ausland (Quelle: Oxford Economics/STR).

Ein hoher Stressfaktor ist derzeit auch das Warten auf die neuen Regeln für Hotels, die voraussichtlich erst 1 Woche vor der touristischen Öffnung präsentiert werden ​sowie die fehlende Planungssicherheit. Welche Seminare sind ab Juli möglich? Wann dürfen Reisegruppen wiederkommen? Welche Events sind ab wann erlaubt? Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen…

Inwieweit hat sich aus der heutigen Sicht die Kurzarbeit im Tourismus bezahlt gemacht?

Vorweg, das österreichische Kurzarbeit (KUA) Modell ist eine sinnvolle und wertvolle Maßnahme. Stadthotels und Ganzjahresbetriebe können sicherlich stärker davon profitieren als Saisonbetriebe, welche oft mit befristeten Arbeitsverträgen arbeiten – jedoch derzeit gibt es keine bessere Option als Kurzarbeit.

Trotzdem, was passiert nach Beendigung der Kurzarbeit, wenn die Umsätze kleiner bleiben als vor der Corona Krise? Die Branche benötigt entsprechende weitere finanzielle Unterstützungen bis die Betriebe wieder selbstständig positiv wirtschaften können.

Kritisch sei demgegenüber auch anzumerken, dass die Zahlungen erst verspätet vom AMS (3 Monate!) eintreffen. So mancher Betrieb wird es nicht erleben, dass der Betrieb in den Genuss der KUA-Entschädigung kommt, da einige nicht die Liquidität haben bis der KUA-Ersatz ausbezahlt wird. Da wird wohl die Lösung an den Insolvenzverwalter weiterdelegiert werden; also auch auf Kosten des Staates, nur auf einer anderen sehr dramatischen Ebene – die Pleitewelle würde somit nur aufgeschoben werden, aber nicht verhindert!

Welche Maßnahmen sollen wir ergreifen?

Nach jeder Krise gibt es „den Tag danach“! Auf der betriebswirtschaftlicher Ebene empfehlen wir, nur dann den Betrieb wieder zu öffnen, wenn die Liquidität für mindestens 4 bis 6 Monate gesichert ist durch eine gute Aufstellung des Betriebes. Gesichert durch die finanzierende Bank und oder mit Unterstützung der ÖHT. Wenn dem so ist, sollte Ihre erste Maßnahme als auch Ziel eine neue Re-Positionierung als Re-Strukturierung Ihres Betriebes sein. Wie kann mein Unternehmen zukünftig am Markt nachhaltig bestehen.

Was wir auch allen Betrieben und Unternehmern jetzt dringend ans Herz legen: Schöpfen Sie alle Fördertöpfe aus, lassen Sie sich nicht durch teilweise komplizierte Antragsformulare oder Prozessverfahren abschrecken. Setzen Sie sich mit Ihrem Steuerberater oder Unternehmensberater – gerne auch mit uns www.reitbauerandexperts.com – in Verbindung.  Gemeinsam gehen wir Ihre spezielle Situation Schritt für Schritt durch, um die für Ihren Betrieb besten Möglichkeiten und Maßnahmen zu evaluieren. Bitte was eindeutig in der gegenwärtigen Situation nicht oder niemanden hilft, ist Jammern und Schuldige suchen.

Sollte es zu keiner Öffnung der Grenzen kommen: Inwieweit können Österreicher als Inlandstouristen die fehlenden Nächtigungen aus dem Ausland aufholen?

Sollte tatsächlich keine Grenzöffnung erfolgen, ist dies ein Super-Gau für die österreichischen Tourismusbetriebe und kurzfristige Grenzöffnungen bringen nichts, da die Betriebe die Mitarbeiter im Vorfeld auch rekrutieren müssen. Und wie sollen nur Österreicher alleine, ca. 150 Mio. Übernachtungen im Jahr produzieren? Allerdings sind die Anteile der Inländer bzw. Ausländer in Österreich regional unterschiedlich. Ein Thermenhotel in der Steiermark oder dem Burgenland hatte in der Vergangenheit wahrscheinlich im Verhältnis mehr inländische Gäste als ein großes Ferienhotel in Tirol oder Vorarlberg oder die Wiener u. Salzburger Stadthotellerie. Generell: ohne ausländische Gäste geht es nicht! Österreich hat anteilsmäßig mit 68% den größten Anteil an ausländischen Gästen in Europa. Zum Vergleich Deutschland 18% und Schweiz 53%.

Das Kundenverhalten wird sich in jedem Fall auch stark verändern. Betriebe überdenken überhaupt im Sommer ihre Betriebe zu öffnen. Einerseits aus Unsicherheit, andererseits aufgrund der ausbleibenden Touristen.

Wie stehen im Moment die Chancen der Sommersaison?

Diesbezüglich kann ich keinen pauschal gültigen Ratschlag geben. Das muss jeder Betrieb für sich selbst entscheiden und gerne sind wir als Reitbauer and Experts bei der individuellen Entscheidungsfindung behilflich. Generell wird viel bzw. in vielen Fällen alles von den Grenzöffnungen abhängen. Selbst wenn es diese geben wird, glaube ich persönlich, dass wir diesen Sommer mit 30 bis 40% weniger Gästen rechnen müssen. Wie so oft, wird es auch vom Geschick des einzelnen Hoteliers abhängen, welchen Anteil vom „Kuchen“ er/sie sich sichern können und hoffen auf keinen Preiskampf bezüglich einer Dumpinggefahr!

Wie so oft in Krisenzeiten wird es Gewinner und Verlierer geben. Leider werden einige diese Krise wirtschaftlich auch nicht überleben. Die Anzahl der Pleiten wird nicht zuletzt auch von den Maßnahmen der Regierung abhängen, mit welchen sie die Branche nachhaltig zu unterstützen plant. Bitte wünschen wir uns, dass die jetzt formulierten Lockerungen bezüglich der „neuen“ Bewegungsfreiheit nicht wieder zurückgenommen werden müssen!

Reglementierungen werden weiter an der Tagesordnung stehen. Welche machen Sinn?

Es macht großen Sinn die von der Bundesregierung verhängten Maßnahmen einzuhalten. Man wird abwarten müssen wie die einzelnen Gäste darauf reagieren. Zwischenzeitlich herrscht ein großes Aufatmen über die Lockerungen in den Restaurationsbetrieben und der Wiedereröffnung. Angesichts der Umstände ist aber noch eine große Skepsis von Seiten der Betreiber von Restaurants vorhanden. Jedoch bin ich überzeugt, dass alle Betriebe bemüht sein werden uns eine zweite Welle zu ersparen. Einen weiteren „Shut-Down“, z.B. aufgrund einer 2. Infektionswelle, wollen wir uns gar nicht vorstellen.

Sehen Sie Chancen in dieser Krise? Wenn ja – welche?

Leider ist es klar und offensichtlich geworden, dass die jetzige Wirtschaftskrise ungeniert die wirtschaftlich schwache Verfassung vieler touristischer Betriebe Österreichs – trotz des fast zehnjährigen Booms – aufzeigt. Im Geist solidarisch, eint hier die Frage der Chance: Was macht die Pandemie aus Gastronomie und Hotellerie? Und was macht die Hotellerie und Gastronomie aus der Pandemie? …viele werden auch nicht mehr aufsperren (können) mangels finanziellem Rückhalt.

Einerseits nehmen wir die unterstützenden Möglichkeiten die uns die Regierung gibt an, wo uns die Chance kurzfristig Luft verschafft und nachhaltig äußerst riskant für ein Überleben werden könnte sofern nicht rasch reagiert wird! Und andererseits schafft diese kurzfristige Chance der Krise vielfältige Herausforderungen, da durch all den neuen Regelungen die Betriebe auch gezwungen sind, rasch alle ihre Handlungsweisen neu zu überdenken.

Eine Chance für den „fittest“en den Neustart bestmöglich zu nützen u zu gestalten; vorausgesetzt die Corona-Krise wird eingedämmt und es kann in der „neuen“ Normalität miteinander umgegangen werden!

Haben Sie Tipps für Hoteliers, um erfolgreich durch diese Zeit zu kommen?

Ich danke Ihnen für Ihre Frage die bitte ganz wesentlich ist. Der Lock down war einfach, doch welche Strategien bringen die touristischen Unternehmer wieder in ein wirtschaftliches Fahrwasser? Jeder Betrieb ist nun mal individuell gesteuert und jeder braucht dafür eine klare und nachhaltige Begleitung für ein dementsprechendes gezieltes und wirkungsvolles Hochfahren. Hierzu bitte einige Empfehlungen:

Es sollte auf alle Fälle vor dem Re-Start eine genaue Liquiditätsplanung für die nächsten 6-12 Monate erstellt werden. Wenn die Liquidität nicht aus eigener Kraft aufgebracht werden kann, sollte unbedingt mit der finanzierenden Bank (mit Unterstützung der ÖHT) gesprochen werden. Analysieren Sie dazu:

  • Ihre Kostenstruktur und Verbindlichkeiten, um zu identifizieren, welche Belastung periodengenau auf Sie zukommen wird. Stellen Sie die Liquidität und Verbindlichkeiten gegenüber, um Ihren Finanzstatus bzw. den Kapitalbedarf zu ermitteln. Kurz um: Einnahmen, Einnahmen!!!
  • Bei all den kurzfristigen staatlichen Hilfen stehen auch langfristige Belastungen gegenüber – nicht aus den Augen zu verlieren und trotz der Ausnahmesituation bleiben viele Verträge bindend, somit auch Kosten.
  • Mitarbeiterkosten bilden mitunter die größte finanzielle Belastung (größter Kostenblock) – ein neuer Stellenplan ist unumgänglich.
  • Eine neue Verkaufsstrategie für „den Tag danach“ zurechtlegen und nutzen Sie die Chance, die Preise auf ein marktgerechtes Niveau zu bringen.

Die Zeit nutzen, speziell in den kommenden Umsetzungen. Kopf einziehen und warten, bis alles vorbei ist, wird sicher nicht helfen!

Was wäre Ihr Appell an die Branche?

Bitte haltet durch, es zahlt sich aus! Unsicherheit hilft uns nicht – es wird bestimmt weitergehen. Österreich ist ein so großartiges Land mit großartigen Menschen! Es lohnt sich immer zu kämpfen! Wir werden, glaubt daran –  letztendlich – gestärkt aus der Krise hervorgehen! Bitte halten Sie die Regeln eine und bleiben Sie gesund!

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Paul Reitbauer MBA Gründer R&E Consulting - Reitbauer & Experts Tourismusberatung Unternehmensberater Wien 1400x933

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