Paul Reitbauer
Paul Reitbauer
Paul Reitbauer verfügt über langjährige internationale Führungserfahrung im Tourismus, der Hotellerie und Gastronomie sowie als Interims- und Krisenmanager.
Zupalsee - Österreich und die Coronakrise. R&E Consulting - Reitbauer & Epxerts Tourismusberatung (c) Julius Silver - pixabay

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Tourismus – wo bleibt das Krisenmanagement?

Anlässlich der aktuellen Entwicklung rund um die Ausbreitung des Coronavirus in Tirol habe ich kürzlich folgende Zuschrift von Renate Danler, einer Kollegin aus der Tourismusberatung erhalten.

Unermesslicher Imageschaden für den Tourismus

von Renate Danler

Ich als stolze Tirolerin in Wien weiß gerade nicht, wie mir geschieht: ich bin in Erklärungsnotstand. In deutschen und nordischen Medien, aber auch in der „Financial Times“, der „Sun“ und vielen anderen mehr liest man über die „Österreichischen Corona-Hotspots“. Auch die österreichischen Tageszeitungen und Magazine übertreffen sich in besorgniserregenden Titelstories über die „Verfehlungen Tirols“. Verlinkungen dazu möchte ich Ihnen ersparen. Der österreichische Verbraucherschutzverein (VSV) berichtet über tausende (!) Klagen von Betroffenen aus aller Herren Länder und täglich werden es mehr…

Familiär wie beruflich bin ich dem Tourismus sehr verbunden. Derzeit läuft mein Telefon heiß und mein E-Mail Postfach quillt über: Verzweifelte Hoteliers wollen von mir wissen, was sie tun sollen, wie sie richtig reagieren sollen? Leider gibt es nach wie vor keine vernünftige offizielle Krisen-PR des Landes Tirol, daher darf ich hier kurz zusammenfassen, was ich derzeit empfehle:

  • Haben Sie bitte Geduld – die offizielle Schockstarre löst sich langsam, auch wenn die Klagen Sie persönlich betreffen sollten, behalten Sie einen kühlen Kopf.
  • Halten Sie Ihre Sommer-Website aktuell! Gestalten Sie sie so, als würden Sie im Juni oder Juli 2020 Ihre Saison eröffnen.
  • Definieren Sie entsprechende Angebote mit den Umständen angepassten kurzen kostenlosen Stornofristen.

Auch wenn das Land Tirol bis jetzt nicht groß in Erscheinung getreten ist, die Destinationen selbst sind derzeit fieberhaft damit beschäftigt, mögliche Szenarien durchzuspielen und Strategien zu entwickeln. Ziemlich sicher können wir jetzt schon sagen: Das Urlaubsverhalten wird sich verändern. Unsere Zielmärkte werden sich ändern. Weltweit wird der Trend mittelfristig zu Urlaub im eigenen Land gehen. Das heißt, auch unsere Leistungsträger werden – sobald sie wieder aufsperren dürfen – mit anderen Gästen konfrontiert sein. Vermutlich vermehrt aus Österreich und Deutschland.

Die Situation ist ernst, sehr ernst. Ich will und kann das gar nicht leugnen, aber wir können es schaffen und wir werden das schaffen. Dazu müssen wir schrittweise gegen den Zusammenbruch der Wirtschaft und damit der Gesellschaft arbeiten – jeder in dem Maße, in dem es für ihn möglich ist und letztlich wir alle gemeinsam.

Krisenmanagement

meine Antwort

Sehr geehrte Frau Danler,
Ich darf mich mit Stolz als halber Tiroler mütterlicher Seite bezeichnen und liebe das Land Tirol und es freut mich, dass Sie hier zukunftsgerichtet rangehen – das ist viel mehr als eine Randnotiz, Ihre Überlegungen sind ganz wichtig!

Trotzdem wird es allein mit dem Aufpolieren einer Homepage und dem Versuch, sein Direktmarketing produktiver einzusetzen, nicht getan sein. Wir werden die Medien brauchen, wir werden eine gemeinsame Message brauchen: „Zukunftsorientiertes schönes Tirol in seiner Verantwortung zur Gesundheit“.

Zu bewerben gibt es wahrlich nach wie vor genug: Unser wunderschönes Österreich mit einem wunderschönen Bundesland Tirol wird – ökologisch gesehen – höchstwahrscheinlich gestärkt aus dieser furchtbaren Krise hervorgehen. Aber was passiert gerade ökonomisch? Wie übersteht die Tourismusbranche als Ganzes das ökonomisch?

Ich kann derzeit nur an jeden Hotelier, jeden Gastronomen appellieren, extrem vorsichtig zu sein und sich vor allem finanziell in einem Krisenmanagement Modus beraten zu lassen – die Gefahr, sich noch weiter und unrettbar in Schulden zu stürzen, ist leider derzeit höher denn je. Ich vertraue genau wie Sie, Frau Danler darauf, dass unsere Destinationen und – allen voran – die Österreichwerbung in Kürze „für den Tag danach“ aktiv werden.

Derzeit habe ich leider nur mein Vertrauen – es wirkt gerade so, als wären die Damen und Herren von der Österreich Werbung alle auf Urlaub. Hallo – bitte wacht auf, wir brauchen euch! Wir brauchen einen Masterplan eines Krisenmanagements, eine Strategie – wo sind die bewusst wahrnehmenden Arbeitskreise der Regierung „für den Tag danach“??? Ich hoffe inständig, dass hinter den Kulissen tatsächlich bereits heftig gearbeitet wird. Einstweilen, liebe Frau Danler, liegt es scheinbar an uns Beratern, die Hoteliers moralisch u ökonomisch unterstützend aufzufangen und zum Durchhalten zu motivieren.

Bitte die wichtigste Botschaft an dieser Stelle: Kosten und Liquidität sind das eine. Was wir sehr viel dringender brauchen, sind rasch wieder Erlöse, lächelnde Gäste und Mitarbeiter. Bitte mit Verlaub, derzeit verdienen anscheinend eher der Staat und die Banken mit „zinsenlosen Geld“, das versprochen wird u wird dem Endkonsumenten mit dem variablen Euribor verrechnet – Aussage eines Kunden von R&E. Rechnen Sie das ruhig einmal nach, was das bedeutet. Bitte haben Sie das im Hinterkopf, wenn Sie Hotelier oder Gastronom sind – nach der Krise noch mehr Finanzlasten zu haben?

Als halber Kitzbüheler liebe ich den Tourismus, als Berater im Tourismus lebe und leide ich mit allen engagierten und leidenschaftlichen Touristikern, die jeden Tag, den diese Krise noch länger dauert noch ein Stück mehr um ihre Existenz bangen müssen.

Ich appelliere an die Regierung, wählt eure Maßnahmen mit Bedacht!
Ich appelliere an die Hoteliers u Gastronomen da draußen: Haltet durch und lasst euch gut in einem Krisenmanagement beraten – spart da bitte nicht am falschen Eck!

Mit herzlichen Grüßen,

Paul Reitbauer (R&E)

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Paul Reitbauer MBA Gründer R&E Consulting - Reitbauer & Experts Tourismusberatung Unternehmensberater Wien 1400x933

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